16 Jul

Ameisenhaufen

AMEISENHAUFEN

Letztens in der Süddeutschen n Artikel gelesen. Insektenumsiedler siedeln ganze Ameisenstaaten um. Hab mich sofort gefragt, ob das auch mit anderen so richtigen Staaten geht. Wär doch praktisch und gar nicht schlimm, wenn sich der ganze Staat einfach nach der Umsiedlung auflöst, weil die Umsiedlung nicht geklappt hat.
Aber, damit sowas nicht passiert, wird um den umgesiedelten Staat, also den Ameisenhaufen, ein Kilo Zucker verstreut. Als Nahrungsversorgung, um das neue Gebiet schmackhaft zu machen. Ein riesiger Speckgürtel quasi. Jetzt lese ich, dass dies nur bei Waldameisen nötig ist. Normale Ameisen machen ja keine Haufen. Bilden also keine Staaten. Oder doch? Vielleicht lässt mir mein schlechtes Flora und Fauna Wissen ja meine Illusion, dass es Lebewesen gibt, die keine Staaten bilden. Mit Hierarchie und dem ganzen drum und dran.
Weiter erfahre ich, dass sich die Königin meist metertief im Boden eingräbt. Da könnten sich die Menschenwesen mal was abgucken. Beim nächsten G 20 Treffen : haben sich einfach alle im Boden vergraben.
Aus das Thema. Können wir jetzt mal die wirklich wichtigen Themen angehen?

Um ein weiteres Bild aus der Tierwelt zu bemühen: Wir schätzen den Hund gering, weil er seine eigene Scheiße frisst. Aber die Fleischfresser unter uns fressen die Scheiße von Schweinen. Was ist das anderes? Und da zähl ich mich selbst dazu.

Mehr Staatenumsiedler. Das ist es was wir brauchen! Auch wenn die nur Ameisen umsiedeln, weil irgendeine Autobahn gebaut werden soll.

Beim nächsten Gipfel sollten, wie für Kröten um sie vor dem Gang über die Straße zu schützen, riesige Eimer aufgestellt werden, oder vielmehr in den Boden gegraben werden. So würden alle Autokraten dieser Welt einfach nach und nach in den Eimer fallen. So dass man sie letztlich nicht wie die Kröten über die Straße bringt und ihnen viel Glück beim Leichen wünscht, nein, der Eimer geht direkt an die Sondermülldeponie in Castrop-Rauxel.
Die sind spezialisiert auf ganz speziellen humanoiden Sondermüll.
Nur so als Alternative, falls sich nicht eh schon vorher alle im Boden verbuddeln. So wie die Ameisenköniginnen.

Aus der Sicht des Universums sind wir eh nicht mehr als eine Eintagsfliege, die sich im Kompost labt. Nur dass der Kompost kein Kompost ist, sondern der Kuchen, von dem alle ein Stück ab haben wollen. Milliarden von Menschen und dem gegenüber nur dieser mikrige Kuchen. Scheiß drauf, wir wollen Bäckereifachverkäuferinnen werden. Dann gehört uns zwar nicht die gesamte verfickte Bäckerei, aber wir dürfen zumindest in ihr arbeiten. Und sowieso bietet die Backwarenkette Backwerk jedem an, wenn es sich um gelerntes Fachpersonal handelt, seine eigene Filiale aufzumachen.
Dann schreibt man eben einen Buisiness-plan, schickt das der Agentur für Arbeit und schon hat man sie, seine fucking hole backery.

Aber ob das dann schön ist: jeden Morgen um 3 aufstehen, um danach den ganzen Tag zu verschlafen. Aber es geht ja ums Bild. Statt nur Brot gebt uns die ganze Bäckerei.

Das Schöne ist ja, Tiere gelten als intelligent, wenn sie soziales Verhalten und soziale Strukturen aufweisen. Das wäre doch was, wenn dies auf die Spezies Mensch übertragen würde.
Und eine Krähe entlarvt einen Dieb, weil sie ihn testet und beobachtet. Also geht raus und testet und beobachtet sie, die Diebe. Sie werden sich von allein entlarven.
Und wenn Ameisen schon Straßen bauen können: Können sie auch Brücken bauen? Und bilden sie wenigstens Gemeinschaften unter anderen Staaten, wenn sie sich nicht schon komplett zusammen tun. Einfach nur einen exorbitanten großen Haufen.
So ungefähr wie der Klumpatsch Erde auf der wir hier rumirren. Milliardenfach.
Und ich weiß nicht mal, wie viele Nullen das sind.

Vorstellungsvermögen ist wie eine Nation. Sie hat Grenzen. Vielleicht auch im übertragenen Sinne. Aber das muss jeder für sich selbst wissen. Aber Beispiele gibt es leider genug, dass Grenzen töten. Auch wenn ich leider noch nie den Kontinent Europa verlassen habe.
Und wirklich gerade jetzt singt Joan Baez aus meiner Anlage: We shall overcome, some day. Magische Momente. Und schon muss ich das Licht aus und ne Kerze anmachen. Ich liebe diese melancholisch, romantische Stimmung. Meine Auszeit vom Alltag bei Betrachtungen und Vergleichen von Tierwelt und Menschheit

16 Jul

Auf BEAT

 

AUF BEAT

Vierzeiler im VierviertelTakt
Meilensteine in rhythmischem Akt
im mystischen Trakt
der abstrakten Zyklen vertrackt

Absätze ad acta
ZeilenSätze wie Schätze tief geschürft wie Mahatma
verquerte Geradlinigkeiten
die hier gerade verleiten
für Zeilen
in Vierzeilern in VierviertelTakten

Vom Rever zum Revier
schwebt der Geist vom RevolTier
freilebend jenseits von Gehegen
hegen behaglich Pläne
vom Plan beilegen
bleibt loslegen!

04 Apr

QuarantäneText auf 10 alten Schallplattenhüllen

digtal transkribiert:

Bin ganz eingenommen von der Schreibunterlage. Habe alte Schallplattenhüllen der Art zerschnitten, dass ich sie aneinander kleben konnte. So entstanden mehrere Quadratmeter an alter grauer Pappe in unterschiedlichen Farbabstufungen. In der Stereoanlage laufen die neuen Beats für`s neue Album. Untergrund ist Schriftstück. Wird Geschichte Stück für Stück. Wort für Wort.

Im Takt der Musik winden sich Gedanken über die feinen Haare des Pinsels auf eine Landschaft aus Zellulose, die mehr als 30 Jahre ihr Dasein fristete, gestapelt in feuchten Kellern. Die Rückseite der Medaillen dieser Zeilen sind Starportraits von Nana Mouskouri, Bach und Beethoven. Allesamt Bastelvinyl für gerade solche Momente. Wenn Begriffe heraus gekitzelt werden durch die Geschmeidigkeit des Schreibgerätes. Das unaufhörlich immer wieder in Wasser getunkt sein will.

Dabei werden auch Blockaden einfach in Wasser gelöst. Vermengt mit braunen Farbpigmenten manifestiert. Im Generierungsprozess immer zu, fortwährenddessen Gefühle vernehmen. Eingefrorene Blicke, wenn ich das Datum notiere. Schockstarre und Fluchtreflex gleichermaßen. In der Mitte des März 2020. Wer malt sich die Postcoronazeit aus? Wollen wieder alle auf Wachstum setzen? Wie lange wollen wir noch die „Snooze-Taste“ drücken, bevor wir endlich aufwachen?

So viel Unverständnis. Bleibt nur, kleine positive Tendenzen weiter wahr zu nehmen! Zwischenmenschliche Gesten der Freundlichkeit, wohlgesonnen. Ungeübtes Lächeln erstrahlt noch viel heller!

Bis dann, am Tag darauf, Schreibszenerie eine völlig andere ist. Sonnenstrahlen fallen durch`s Fenster. Frühling klopft sachte an. Die „Schön und gut-Instrumentals“ vom neuen Album von AzudemSK wabern hinein in Kulisse. Das mit braun gefärbte Pinselwasser befüllte Whiskeyglas hatte über Nacht darauf gewartet, Convulsionsspender für Wasser und Farbpigment zu sein. Wäre irrtümlich beinahe zur Erfrischung den Schlund hinunter gekippt worden. Auf Konditionierung getrimmte Areale im Hirn hätten den Autoren dieser Zeilen fast verleitet. Aber, bin manchmal zum Glück mehr als Gewohnheits- und Hordentier! Kann dann ab und an reflektieren. Ein spiel aus Spiegel und Sonnenlicht für Prozesse jenseits der Biologie. Nur im bildlichen Denken Maden und Würmer im Geist untergemischt. Ausgesetzt, um um zu pflügen zu Boden voller Nährstoff.

Wenn mein Schreiben dann einem Fruchtbarkeitstanz gleich kommt. Fern ab von Zeiten, in denen das Bedienen eines poetischen Stiftes einzige Möglichkeit wären, dem Wahnsinn Depression und Manie ein Schnäppchen zu schlagen. Einziger Halt für den Geist! Als ich beschwert war, mich aber nicht beschwerte. Ich selbst habe meinen Wortschatz wieder gefunden, anhand einer inneren Schatzkarte. In der Epigenetik verankert. Der Drang nach Worten all meiner Ahnen. Geschichten der Urmenschheit in Quarantäne herauf beschworen. „Triage“- Retten, wer zu retten ist? Keine ist herdenimmun. Panik noch nicht. Aber, fast kindlicher Trotz. „Und die Welt steht still.“ Auf noch nicht ab zu sehende Zeit.

Meine vier Wände, in dessen Mitte die Schreibunterlage so groß ist, dass ich auf ihr dieser Tage mein Leben lebte. Auf den Hüllen von 10 LP`s halte ich meine Eindrücke fest. Imprägniere den Moment für kommende Zeiten. Zeitzeugendasein.

Morgen dann also Traufeier ohne Trauzeugen. Nur unsere Eltern, meine Liebste und ich, für den schönsten Moment. Schön, eine Komplizin zu haben. „Partners in crime“ mit guten vibes.

Grundversorgung durch geteilte gute Bauchgefühle. Wenn der Tag X einen wunderschönen Tag Ypsilon zur Folge hat. Für immer wird der 20.3.2020 besonders bleiben. Genau so, wie der seit Jahren wieder erste Text von mir, der auf Beat geschrieben ist, und wie folgt klingt:

„Vierzeiler im Viervierteltakt. Meilensteine im rhythmischen Akt. Im mystischen Trakt.

Der abstrakten Zyklen vertrackt. Absätze ad acta. ZeilenSätze wie Schätze, tief geschürft wie der Mahatma. Verquerte Geradlinigkeiten, die hier gerade verleiten. Für Zeilen, in Vierzeilern in Viervierteltakten. Vom Rever zum Revier, schwebt der Geist vom RevolTier. Freilebend jenseits von Gehegen. Hegen behaglich Pläne vom Plan beilegen. Bleibt loslegen!“

Wieder von Kaffee zu Kaffee. Von Zigarette zu Zigarette. Zwischendurch dann immer wieder mal was Lyrisches. Bis dieser Text allein in physischer Größe, ein Mehr an Gestalt annimmt.

Mittlerweile 2 Quadratmeter an bräunlich gepinselten Buchstaben. Dieses über dimensionierte Textblatt in Plattenform war und ist in der Zeit von Corona der „Teppich“ in meinem Zimmer. War mir Boden für Füße und Grundlage zum Ausdruck meiner Gedanken. Bald wird er die Wand in unserem „Lesesaal“ schmücken. Dem „Cafe Lating“, in dem sogar, bei gekipptem Fenster, geraucht werden darf. Dieses ist mein „CoronaExil-Cafe“, da der Cafebesuch in der Öffentlichkeit ja leider nicht mehr möglich ist. So, noch kurz vor der Ausgangssperre, zumindest in diesem Bundesland NRW. Keine Conclusio, nur eine vage, schüchtern, zuversichtliche Voraussicht auf kommende Zeiten. Was wird noch so bleiben, wie es war? Welche Ausmaße können noch kommen? Für wie lange? Mir bleibt die Widmung hin zum Kreativen. Als staatlich irgendwann einmal anerkannter Ergotherapeut habe ich zum Glück einen schier unerschöpflichen Vorrat an Bastelmaterial in sämtlichen Stauräumen meines Zimmers sowie im Keller. Eine Vielzahl an einzelnen Buchstabentasten aus alten ComputerTastaturen, kiloweise Gips und ModelierMasse, drei Packungen Kleister und ganze Jahrgänge an Zeitungen, verwertbare Holzreste gesammelt vom Sperrmüll warten auf Verwendung, noch leidenschaftslos im Keller. Ein neues Selbstverständnis: Wenn mir klar wird, dass ich Künstler bin, werden Lebenswege klarer. Was Wirrungen waren, geglättete Wogen von nun an, fortwährend. Klare Bergseen mit Sicht bis auf den Grund. Als schaute ich durch ein Mikroskop auf mein eigenes Rückenmark. Kann Essenzen erkennen. Innerer Kompass an Ketten am Hosenbund. Nicht zu verlieren. Auch, wenn diese Hose ab und an aus der Wäsche kommt. Der Sticker „Bildet Banden“ ist für mich nun mehr als ein bild. Gemeinsames Lebensgefühl im Windmühlenstruggle vereint mit verehelichter Komplizin. Meine liebste Fliegenpilzprinzessin. Sie wird auch diejenige sein, die diesen Text als Erste lesen wird. Bis irgendwann, nach Jahren, unsere Hirne der Art verknüpft sind. Symbiose, als sei es ein Organ. Zusammen denken wir die schönsten Gedanken. Schreiben die schönsten Geschichten. Fühlen und teilen erhabenste Gefühle. Hier in unserer Parzelle von 70-80 Quadratmetern nahe „Klein Muffi“. Richten uns ein, ohne kleine Stöckchen im Mund. Trotzdem gemächlicher Nestbau. Darum dieser besondere Platz für meine bisher „größten“ Zeilen, die an einem Stück geschmiedet wurden. Gehalten von vielleicht acht Heftzwecken, die Halt zu geben vermögen. Auf immer Zeitzeugnis dieser besonderen Zeit. Entstanden innerhalb von drei Tagen, in denen ich versuchte, gleichzeitig zu „über -“ und nach „innen“ zu blicken.

03 Apr

Buchrezension von der Initiatorin der Poetry Partys in Münster – Renate Rave-Schneider

Vor einigen Wochen wartete Münsters Lit-und Poetry-Szene ganz gespannt auf das Druck-Erzeugnis „Lyrikkeller“ , den man tatsächlich ab seinen Anfängen am Hansa-Ring zwecks Lauschen von Poetry Slams mit passender Music besuchen konnte, später auch an wechselnden Orten. Doch immer dabei war und ist Andi Substanz Markenzeichen: Eine klapprige Schreibmaschine, auf der dieser Substanz Texte auf Zuruf kreiert.

Das nun vorliegende Werk mit 122 Titeln aus der Feder von Andi Substanz plus Vorwortvon ihm spiegelt das Live-Poetry-Geschehen des Lyrikkellers exzellent wieder. Nehmen wir zum Beispiel den Text „Yin und Yang“: Besser ist das Innere des Zwingers in Münster nicht zu beschreiben: Die dunklen Schemen der Vergangenheit, „die grünen Büsche in den Zwischenräumen der Mauern, in denen Singvögel brüten“, Zitat von Seite 94. Andi Substanz ist ein politischer Mensch, ein begegnungs-orientierter Mensch mit Freude an sozio-kultureller Interaktion, das kommt in vielen seiner Texte zum Ausdruck. Er erhebt gar nicht erst den Anspruch geschliffene Lyrik zu formulieren und ist gerade deshalb klar, strukturiert und dennoch immer wieder überraschend.

Mit dem „Lyrikkeller vor Ort“ war er mehrfach im Zwinger, teilweise gemeinsam mit Gast-Autorinnen und betätigte auf seiner Schreibmaschine „Buchstabentasten gegen das Vergessen“, siehe Seite 104. Er saß mit seiner Apparatur auf dem noch menschenleeren Hamburger Rathausmarkt, worüber er schrieb: „Vereinzelt mümmeln sich Menschen herum. Einer ist sogar schon auf mich aufmerksam geworden. Resultat ist ein kleines Liebesgedicht für Iris. Zu einem Preis, der ungefähr dem Wert eines großen Kaffees in den Cafés dieser Stadt entspricht. Er ist also Akteur und Betrachter gleichzeitig, wie in so vielen Texten und das erzeugt einen gewissen „Chill“, man sieht sozusagen die Schwäne in den Fleeten der benachbarten Alster-Arkaden, man riecht förmlich den nächsten Passanten, der gleich bei ihm stehen bleibt.

Das, was er seine klapprige Schreibmaschine ausspucken lässt, spricht direkt die Sinne an, so in Amsterdamimpressionen, wo eine Dreijährige, auf ihrem gelben Kleid den grünen Schriftzug „Warrior“ trägt.Dieses Bild bleibt haften genauso wie die Jukebox in „Eine Liebe“, wo man zu Bob Marleys Musik Peace-Zeichen aufblitzen sieht.

Fotos, Zeichnungen; Karikaturen untermalen und unterstreichen das Geschriebene, von dem sich wirklich sagen lässt: Gelungen!

Von Renate Rave-Schneider, Begründerin der Poetry Parties in Münster 1996, Radio-Moderatorin und Produzentin im MFM Münster seit 2015 und seit 2018 Veranstalterin des Albachtener Bücher-Plausches…http://story-schatzkiste-rave-schneider.de/

Lyrikkeller Buch

Lyrikkeller Buch

11 Feb

Buchstabentastengegenrechts bei Keinenmeterdennazis

Habe mich mit meiner Schreibmaschine direkt vor der Bühne für die Redebeiträge auf der Demo positioniert. Aber, noch herrscht Vorbereitung und Aufbaustimmung. Explizit habe ich die aufgereiten Polizist*innen angesprochen und eingeladen, Texte gegen rechts auf der Schreibmaschine zu tippen. Jede ist eingeladen! Seine Emotion in Bezug auf die Bedrohung von rechts auszudrücken. Sei es als Apell oder Mahnung, es gilt allgemeine Wachsamkeit! Hilfreich ist dabei ein Gemeinschaftsgefühl während der Demonstration. Signalisiert, wir sind nicht allein. Wir sind mehr. Ganz eindeutig. Aber, nur die Mehrheit darzustellen reicht nicht aus. Wir müssen aktiv sein, Stimmen erheben, Kräfte bündeln.
Die Stadt Münster bereitet der AfD Münsters „gute Stube“ , den Friedenssaal am Prinzipalmarkt. Besser wäre es, sie müssten sich im Zwinger an der Promenade treffen. Dort wären sie direkt konfrontiert mit den mörderischen Verbrechen der Nazis. Deren Gedankenwelt sie teilen, was an ihren völkischen Aussagen unschwer zu erkennen ist! Was das „AfD-oder-nsdap-Quiz“ ganz deutlich zeigt. (Beispiele zitieren)
Länger als 5 Minuten kann ich mir deren Aussagen nicht geben, dann setzt der Brechreiz ein. Nur in Dosen ertragbar, denn auseinandersetzen muss ich mich mit der Sprache des Gegners, um sie entlarveb zu können. Deren menschenverachtende Ideologie. Was helfen kann sind Worte, Buchstabentasten die Argumente liefern. Ängste abbauen, Wunden der Kindheit zu heilen vermögen? Also, come join „Buchstabentasten gegen rechts“. Formulierungshilfen im Kampf gegen Nazis, im Kampf für den Menschen. Zum Beispiel mit Slogans wie vom DGB: „Unsere Alternative heißt Respekt und Solidarität!“ Give love to common people! Auch Kinder erheben im Chor ihre Stimmen, sie singen: „Wir wollen bunt, nicht braun!“ So einfach kann das sein. Eine Frau trägt ein Plakat, darauf „Lieber Menschenrechte statt rechte Menschen!“
Der erste Redebeitrag beginnt und ich lasse zur Zustimmung beim Zeilenumsprung das „Ping!“ der Schreibmaschine als Applaus erschallen!!! Und hier sind drei Ausrufezeichen angebracht! Zwischendurch dann Tippen für Fotos von Journalisten, aber dafür mache ich das hier nicht. Wir alle gehen auf die Straße und schreien „Woooow“.
Wir müssen mehr tun, als nur ein zeichen zu setzen, meint der erste Redner und jetzt wird es kontrovers, als er von der Bereitschaft zu nötiger Gewalt spricht. Exorbitantes Pfeifen und Buhen im Publikum. Gerade so kann der Redner seinen Beitrag zum Ende bringen. Der Nächste fragt, ob wir laut seien. Spricht von einem Hauch von Weimar, spricht von der Arbeiter*innenbewegung, die neu formiert wurde, um eine erneute Machtergreifung von rechts verhindern zu können. Applaus, Zustimmung selbst von den Jüngsten. Habe gar nicht im Blick, wie viele Menschen da insgesamt vor mir stehen. Es mögen zehntausende sein. Mein Münster ist aufgestanden, erhebt Stimme. Münster ist bunt, nicht braun! Zeigt, wie laut es ist, frenetisch brandend in der guten Stube. Der Nächste geht darauf ein, wozu Hass und Ausgrenzung führen können. Wir aber wollen alle willkommen heißen! Austausch und Dialog sind die einzige Möglichkeit für Frieden.

03 Feb

Die Szene vor der Karlsruher Vesperkirche

eine Kirche hat ihre Tore geöffnet hat und Kaffe und Kuchen für Alle ausschenkt. Praktisch, da die Szene direkt anliegend am Werderplatz ansässig ist. So kann sich derdie leidgeplagte, leiderprobte Süchtige in der Kiche aufwärmen, auch wenn dieser Winter 2020 seinen Namen nicht mehr verdient, keine Kälte generiert, zumindest keine physische. Im Kirchenschiff selbst, herrscht munteres Treiben laissez-faire. Angeregtes Gemurmel erzeugt von ca. 100 Kehlen, die Badisch babbeln. Was 5 Stunden Fahrt im EC ausmachen können. Du steigst am Bhf aus und schon erklingen Worte in einer ganz anderen Klangfarbe. Meiner Angewohnheit folgend, den Menschen eindringlich in ihre Augenpaare zu schauen, wird mir hier in der Szene etwas ganz deutlich. Hier zeugen einige Augenpaare in ihrem Ausdruck von GebrochenSein. Da ist kein Strahlen, kaum Ausdruck. Leere, die wiederhallt. Löst ein Gefühl in mir aus. Ein sachtes Gefühl, als sei der Mensch fragil. Zu handlen with care! Sollte ein Aufkleber angebracht werden, da leicht zu übersehen. Die Zerbrechlichkeit des menschlichen Gemüts. Angehäufte Verletzungen aus Jahrzehnten tummeln sich hier am Platz. Sind umgeschlagen in Suchtverhalten egal in welcher Substanzausprägung. Ein Leben im Suff, unentwegt lallender Ausdruck. Klare Gedanken Fehlanzeige. Viele hier haben eine oder mehrere Tränen in Schwarz auf die Wange tätowiert. Scheinbar als Erkennungszeichen einer Zugehörigkeit.                                                 Aus der Kirche läuft ein Kind auf den Platz. Es weint.                                                                           Ich reiche ein Taschentuch.

27 Jan

Lyrikkeller am Karl Marx Monument in Chemnitz

Was macht dieser Kopf mit der Stadt und ihren Bewohner*innen?

Jetzt, da die Erinnerung noch wach ist, an die Hetzjagten auf „Ausländer“ vom rechten Mob, der sich hier Bahn brach. Auf ewig ist dieser Marxkopf verknüpft mit dem Gefühl der Schande, wenn der jeweilige Mensch ein Herz hat und das noch am richtigen Fleck. Mein Hermes Baby manufactured in der Schweiz liegt dem Karl aus Beton zu Füßen. Klackert munter vor sich hin, angetrieben durch die Eindrücke direkt vor Ort. Ich kann mich einfühlen in den Ort. Imaginieren wie viel negative Emotion , blanker Hass sich hier entladen hat. Als verirrte „Herrenmenschen“ sich im falschen Glauben, dies zu sein, der Szenerie bemächtigten. Heute ist es hier fast menschenleer. Nur vereinzelte Autos ziehen vorbei, erzeugen dösiges Rauschen. Der Uhrzeit entsprechend, steht die Sonne tief. Bündelt ihre letzten Strahlen. Spendet angenehmes Licht für ein Foto mit der Digitalkamera. Im digitalen Bild den Moment festhalten versuchen. Das digitale Bild verstärkt diese Zeilen. Macht es greifbar. Schaue den vereinzelten Passat*innen in die Augen. Versuche auszumachen wo sie sind, diese Nazis? Prozentual könnte es jede 4te sein. Bei diesem Gedanken wird mir dann doch mulmig. Bin ich doch klar und deutlich als „Linker“ erkennbar. Mit dem Parka, der Bollerbux und dem Rauschebart. Sei`s drum. Ihre Welt ist klein wie pollypocket! Mit denen werd ich schon fertig! Hoffentlich nur auf argumentativer Ebene. Ein wenig unwirklich kommt es mir vor, in Wirklichkeit hier zu sitzen. Nicht nur, die Bilder im Netz zu sehen. Hier an diesem Symbolbild für die akute Bedrohung von rechts. Als die Menschheit ihre Menschlichkeit ablegte und ihr hässlichstes Gesicht zeigte. Jenseits des Kontextes ist es durchaus amüsant, dass fast direkt neben dem Monument des Vordenkers des Sozialismus eine große Filiale der Hypovereinsbank ansässig ist. Auf dem Weg vom Bahnhof Chemnitz, die bahnhofstraße entlang, begegnete ich einem Denkmal der SED, dass nun Mahnmal ist. Dort fand ich eine große Inschrift mit den Lettern: „Der Einzelne hat nur ein Paar Augem, die Partei aber hat Tausende…“ und selbst diese enorme Anzahl an Augen scheint dann doch nicht ausgereicht zu haben, den Willen des Volkes zu erkennen….

20 Apr

Lyrikkeller vor Ort am Nieberding II

Straßenfest
und da kann hier ja nur eins  gemeint sein,
das berühmt am Nieberding.
denn da werden gebaute Holzschiffe zu Bühnen subversiver Kunst.
kleine Waldstücke zum Dubwäldchen mit magischen Momenten,
eine wirkliche massive.
wabernd, Kraft sammelnd für kommende Aktionen
wie auch immer geartet
dies hier ist Kunst
Freiraum in der Nische des Uhrwerks

sie haben ein Zeitlos gezogen.
mit nichten ne Niete
keine Trostpreise von Nöten
hier nur Tombolas, bei denen alle gewinnen
gewinnen an Vielfalt
ohne je einen Einsatz gezahlt zu haben
alles frei haus.

20 Apr

Lyrikkeller vor Ort am Nieberding I

ich sauge die Stimmung ein,
hier im Kickerkeller vom Nieberding.
heute ist der Lyrikkeller zu Gast.
hab extra die gute Schreibmaschine mitgebracht.
bin gespannt auf die Themen, die die Menschen mir hier vorschlagen werden.

gerade raunte es schon durch den Raum: Klappe halten, jetzt kommt Kunst.
aber, gerade der Austausch ist wichtig bei diesem Ding.
keine Austauschgeschäfte,
feilgeboten werden Zeilen
vom frischen Farbband erfasst.
alles layed back heute, nach Sonnenspaziergang, nem heißen Bad
entspannt, ruhend, bereit,
in die Tasten zu hauen, da braucht niemand die Klappe halten
außer rand und band dem Raster gefallen.
Klappe, die do und so vielte
Jahre vergehen in Wimpernschlägen.
gereift, als neugeborener Greis

31 Dez

Trump Battle

Nennst dich Battle MC, geh zum Logopäden
denn ich zieh hier die Fäden
du Marionette
bist wie ’ne Kaufhauskette
das gleiche zu anderen Preisen
wie Stadtrundfahrten auf Reisen
wie kann man Verse einfach abspeisen
und dann runterladen
danach zerstören wie Bin Laden
nennst mich Battle MC
dann diss mich vis á vis
verstehst du Ironie?
deine Reime sind aussagekräftig
wie Knäckebrot deftig
deine Texte haben Tiefgang
wie wenn Luftkissenboote auf hohe See fahrn
du sagst du zerstörst mich wenn ich bei 3 nich auf’m Baum bin
wenn du dann zählst hör ich genau hin
weil ich nie hörte, dass du jemals gezählt hast
weil du dich bis jetzt jedes mal verwählt hast
in der Wahl deiner Worte
entzieh ich dir dein Wahlrecht
bist wie HIPHOP-ken
nur in echt.
Du hast soviel Rückgrat wie Fischstäbchen Grätchen
bist standhaft wie Sandburgen kurz vor der Flut
brennst weg wie dein Textbuch in meiner Glut
die zwangsläufig entsteht durch das Aufstauen von Wut
doch dann brechen alle Dämme
wenn ich mich am Mic enthemme
und entlade wie Spannung beim Gewitter
du erscheinst mir eindeutig wie ’n‘ Tswitter
zeigst soviel Verständnis wie Wiederholungstäter
du hast am Mic soviel drauf wie Schotten unterm Kilt
bist ’ne Metapher die es noch zu finden gilt
bringst die Leute in Bewegung wie ein Stoppschild
und machst mich mit deinem Getue einfach wild
Warum denkst du nur in Kästen und Schubladen
die Welt ist doch kein Schuhladen
auf der sich Nikes nur mit Nikes unterhalten
und wenn, sei das Gesetz der gleichen Größe einzuhalten
und findest du deine Größe wirst du nach der Farbe eingeteilt
denkst du wirklich so, dann bist du echt verpeilt

02 Nov

Felder bestellt

Wenn die kleinen Setzlinge im Mai auf den Feldern stehen,
wird für mich der Sommer eingeleitet.

Maispflanzen treten im Rudel auf,
meist auf ganzen Feldern
Es ist angerichtet, Felder sind bestellt.
bereit für die nächste Station
Leben
dabei hau in Tasten
Buchstabentasten, ganz analog
finde mich auch so, ohne GPS-Signal.
Irgendwo hatte ich ein Eselohr ins Buch gemacht.
die Stelle, an der es sich lohnt,
weiter zu lesen.
ein sich vertiefen in Lesestoff.
dieser berichtet dir von einem Maisfeld
von dem keiner weiß, was darin schon alle geschah,
und es ist nicht von dauer,
wird geerntet irgendwann.
So wie wir alle
Teil einer Ernte sind.
Also los, feiern wir Erntedankfest.

29 Okt

Broken Heart Syndrom

im Synonym für fristlos gekündigte Liebesverträge.
gebrochene Seelen ergreifen Gelegenheiten und
enden qualvoll mit goldenen Schüssen.
die, die davon berichten
sagen wie traurig es ist
und ziehen s durch’s Röhrchen.
sprechen von Vergwaltigung innerhalb der Szene.
Halbstreckenläufer halbieren selbst noch diese.

die Welt vergibt Banknoten
viele drohen durchzufallen
weil sie nichts haben
ausser ihres blanken Lebens.
schwer,
alles zusammen zu hanlten
wie einen Flohzirkus.

26 Okt

Sinngehaltserhöhung

Angst ist der Schwindel der Freiheit,
denn sie vollführt einen Balanceakt auf dünnem Seil,
vielleicht einer Slackline.
Allmacht der Ohnmacht entmachtet.
Zeitlosgelöst:

Leinen los statt quasi an der Leine.
schräg strich Mensch
in Strichmännchenwelten
leben mit Anstrich Mensch,
ansatzweise Mensch im Freiheitsdrang
Stürmer und Dränger im eigentlichen Sinne
Sinngehaltserhöhung
global gesehen zu fordern.
Zweifel als Schwindel in Höhen schwindelerregend.
Zweifel bleibt leise
geht geduckt sich verbergend
aus der Quere
in begradigte gnadenlose Misere Alltag Erde
da gilt es alltagstauglich zu bleiben
und anzukommen

26 Okt

Ohne Nummer an der Abgabestelle

zu beginn eines Lyrikkelleröffnungstages ist es natürlich schwer in das Gefühl zu kommen, das mensch hat, wenn er den Feierabend einleitet.
Da passiert auch hormonell was. Botenstoffe versetzenden Organnismus in einen angenehmen Gemütszustand.
Es gibt auch Menschen, die verbinden mit dem Feierabend ein Hopfengetränk.
Jeder nach seinem Gusto. Ich dreh ja meist lange Zugaretten,
aber das nur am Rande. Ausser Rand und Band.
Losgelöst, wenn ich schreibe. Im Flow eintauchen. Ganz ohne Sauerstoff-
flasche. Habe leichtes Gepäck.
Ohne Nummer an der Abgabestelle. Wer schenkt die erste Kelle
steigt aus dem Verkehr, fängt an zu schieben.

fern allen vorabs
einfach Beginn.
Start eines Werdens

21 Sep

Reimerektion

wir brauchen mehr Leute mit Reimerektion auf der Bühne
die sich am Wert ergötzen
einen Balztanz mit Paarreimen vollführen
von schönerem Antlitz als jeder exotische Vogel aus dem Regenwald
das sieht man ihrer Performance auch an,
in einigen Fällen geht der Körper über, hinein in das mikrophon
und das was entsteht ist extatisch
keine gewöhnliche, alltägliche Morgenlatte
die die regelmäßig begrüßt,
zumindest wenn du jung bist
nein, das ist die Erektion, ber der du das erste Mal mit einem geliebten
gegenüber verschmilzt
immer wieder wuchtige erste Male
immer wieder, wenn du performst
deinen seelischen Bodensatz
aufbrühste und nie verliert er dabei an Geschmack
auch Teebeutel lassen sich wiederverwerten und mehrmals aufkochen
eine Reimerektion, ein Rausch im Worte finden,
wobei immer wieder Bilder vor dem geistigen Auge vorbeihuschen
sei doch das Gehirn ein Muskel
so trainiere ich jene Areale,
zuständig für Sprache als auch für bildliches Vorstellungsvermögen
ein Exzess
nachdem sich deine Existenz im nachhinein neu gliedert
manche sprechen vom Aufweckungserlebnissen
was anfängt mir Inspiration
endet in Vollendeung im Limes in der auf dem bauch liegenden Acht.
wissenschaftlich belegt im flow Effekt
Wortbrigaden in die Schlacht des Geistes geschickt
so lasst sie ausgefochten sein
all jene nagenden Zweifel
düstere Gedanken im Photolabor,
neu belichtet
heraus kommt eine Werkschau
der einen Schatz an Erfahrung offenbart
gleich einem Ehebündnis
gegangen durch gute und schlechte Zeiten
da kann es nur duch ein steckendes Schreibmaschinenband zum Bruch
kommen
letztendlich bleibt alles reparabel
in passenden Parabeln
primitive Primaten
noch vor einiger Zeit
diesen Weg bist du gegangen, mensch
jetzt ist es Zeit
das du dich umschaust
eine Entscheidung
an der Weggabelung
triffst
allzu orpulent im Orbit
leben auf einem Trabanten der Sonne
da kann es doch ans nicht hinters
Licht geführt werden.

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